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Plauen: III. Weg inszeniert “Spontandemo” – Naziprovokationen bei Stadtfest – Nazi verletzt

Am vergangenen Sonntag versammelten sich in Plauen am “III.Weg”-Parteibüro gegen 14 Uhr knapp 70 Nazis. Diese zogen eine Stunde von Haselbrunn über die Friedensbrücke und die Siegener Straße in Richtung Polizeirevier und wieder zurück. Anlass für die “spontane” Zusammenkunft war ein Messerangriff auf den “III.Weg”-Nachwuchskader Aaron Helbig, der aus dem Raum Klingenthal stammt und sich häufig in Plauener Nazikreisen aufhält. Neben Kadern aus Plauen und dem Vogtlandkreis waren Nazis aus Franken (z.B. Forchheim, Landkreis Main-Spessart), Greiz, Freiberg und Dresden beteiligt. Über Megafon und Lautsprecherwagen (wie immer der Privat-PKW von Rico Döhler) wurden “Rache!”-Rufe geäußert.

Gegen sechs Uhr, so berichtet eine Polizeimeldung, eskalierte eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen, bei denen Helbig eine Stichverletzung abbekam. Augenzeug*Innen berichten, dass die Gruppe um Helbig gezielt auf der Suche nach Stress war. Diese Gruppe bestand aus fünf Nazis, darunter mit Thomas Heyer ein weiterer “III.Weg”-Kader. Erfahrungen mit den beiden Figuren zeugen von gewalttätigen Übergriffen und verbalen Provokationen als deren alltägliches Repertoire. Von der selben Konstellation ging zwei Stunden zuvor ein Angriff auf einen Genossen aus, der bereits wiederholt zur Zielscheibe von Drohungen und Eingriffen in die Privatsphäre seitens organisierter Nazikreise wurde.

Gegen vier Uhr betritt Thomas Heyer ein Lokal in der Innenstadt, wo sich jener Genosse aufhält. Heyer blickt sich dabei suchend um, ohne sich zu setzen oder ein Getränk zu bestellen. Schließlich erblickt er den Betroffenen und bewegt sich gezielt auf ihn zu. Heyer bedroht ihn und dessen Familie damit, erneut gezielte Racheaktionen auf sich nehmen zu müssen, falls es Aktionen gegen Nazis in Plauen gäbe. Als der Genosse daraufhin das Lokal verlässt, warten draußen fünf weitere Nazis auf ihn – darunter Aaron Helbig. Er ist umstellt und muss sich zurück in die Lokalität flüchten. Die Nazis warten noch mindestens 45 Minuten vor der Tür auf ihn.

Bereits Freitag wurden Gerüchte laut, Nazis würden für Sonntag “etwas planen”. Der Ablauf der Nacht von Samstag auf Sonntag lässt viele Schlüsse darauf zu, dass Kader des “III. Wegs” Gründe für eine anschließende Spontandemo provozieren wollten. Dies passt zu den Erfahrungen vergangener Stadtfeste, als die lokalen “III. Weg”-Nazis regelmäßig in Gruppenstärke, einheitlich gekleidet und deutlich provozierend auftraten. Somit ist der “Märtyrer” Helbig wohl doch eher ein Kollateralschaden.

Inzwischen nimmt die propagandistische Ausgestaltung des Vorfalls mitunter groteske Züge an. Die Plauener Kader sind scheinbar auf der Suche nach einem Weg, um möglichst viele unerwünschte Personengruppen verantwortlich zu machen und auf diese Weise einen Beleg für ihre kruden Thesen einer schwerstkriminellen Stadt zu finden, in der man demnach als “Deutsche/r” kaum noch die Straße betreten kann, ohne sofort von wahlweise migrantischen Banden oder linken Terrorist*Innen ausgeraubt und anschließend erschossen zu werden. Noch am Sonntag verbreiten die Nazis die Nachricht, dass der Tatverdächtige drogenabhängig sei – passend zur derzeitigen Hetzkampagne von bürgerlichen bis rechten Kreisen hinsichtlich der Situation in der Plauener Innenstadt. Am Montag halluzinierte Nazikader Matthias Fischer (seines Zeichens “Gebietsleiter Mitte” des III. Wegs) die Messerstecherei als Folge des staatlich geförderten “Kampfes gegen Rechts” herbei – versuchte also, der Konfrontation einen linken Hintergrund in die Schuhe zu schieben. Dienstags fiel den Strategen des “III. Wegs” plötzlich die Antwort auf alle Fragen vor die Füße: Der Tatverdächtige habe einen migrantischen Vater und sei daher ein Beispiel für die ausufernde Kriminalität in Folge offener Grenzen. Ob die Plauener Nazikader nun noch Rückschlüsse auf die sexuelle Identität und eine Gewerkschaftszugehörigkeit des Tatverdächtigen veröffentlichen werden, kann nur spekuliert werden. Auf jeden Fall mutet der ganze Disput schon jetzt als eine unverhohlene Sündenbocksuche – und damit einen willkommenen Vorwand für die Propagandastrategie der lokalen Nazis um Gentsch und Konsorten an.

Am 12.06. auf nach Annaberg-Buchholz! Mobiveranstaltung in Plauen.

Am kommenden Mittwoch, dem 31.05.2017, wird es eine Mobiveranstaltung zur Demonstration „Leben schützen! Abtreibung legalisieren! Weg mit §218!“ gegen den fundamentalistischen Schweigemarsch am 12.06. geben.

Die Mobiveranstaltung findet 19 Uhr im Infoladen Plauen (Thiergartner Straße 4) statt. Dort gibt es Infos zur Demo, den thematischen Hintergründen sowie zur Anreise.

Des weiteren empfehlen wir euch erneut den Vortrag von Gisela Notz „Kritik des Familismus“ am kommenden Montag (29.05.) 18 Uhr im Malzhaus-Clubraum.

Einen ausführlichen Aufruf zur Demo findet ihr +++hier+++.

Kritik am Schwerpunkt der Rote-Hilfe-Zeitung 4/2016 („Siegerjustiz – Verfolgung und Delegitimierung eines sozialistischen Versuchs seit 1990“)

Die Rote Hilfe Südwestsachsen hat uns gebeten, ein kritisches Statement zum Schwerpuntkt der Rote Hilfe-Zeitung 4/2016 zu veröffentlichen. Hier ist es:

Auch wir, von der RH-Gruppe Südwestsachsen, halten eine kritische Auseinandersetzung mit der „sozialistischen“ Realität in der DDR, der Sowjetunion und anderen Teilen der Welt für sehr wichtig. Weil dies aber in der aktuellen Ausgabe der RHZ, unserer Meinung nach nicht nur nicht der Fall ist, sondern Menschen zu Wort kommen, die vollkommen unkritisch und unreflektiert die DDR, das von ihr errichtete System sowie dessen Funktionär_innen verherrlichen, wollen wir uns an der Debatte, angestoßen durch die Dresdener Genossen_innen, beteiligen.

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Schweigemarsch stoppen! Veranstaltungen in Plauen!

In Annaberg-Buchholz wird es am 12.06. feministische und antifaschistische Proteste gegen den fundamentalistischen Schweigemarsch geben (Infos unter schweigemarsch-stoppen.de). Es gibt aus dem Grund zwei Veranstaltungen in Plauen im Clubraum vom Malzhaus (Alter Teich 7-9).

10.05. Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später!
18 Uhr Clubraum Malzhaus Plauen

Nach zehn Jahren und drei Auflagen kommen die Kinder noch einmal zu Wort.
Ein zweites Mal kommen Töchter und Söhne lesbischer Mütter, schwuler Väter und – neu – von Eltern, die sich als transgender identifizieren, zu Wort. Zehn Jahre nach den ersten Interviews wurden die 34 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen ein weiteres Mal zu ihrer Sicht auf ihre Familie befragt – Familien, die immer noch als „besonders“ oder auch „erklärungsbedürftig“ wahrgenommen werden.
Was finden die Kinder an ihrer Familie großartig? Was mögen sie an ihren Eltern, was kritisieren sie? Welche Wünsche und Träume haben sie für ihr Leben? Mit welchen Befürchtungen oder Reaktionen setzen sie sich auseinander? Was erleben sie als unterstützend? All das vermitteln die Texte authentisch und anschaulich. Die Kinder erzählen ganz offen auch von Krisen und Trennungen und darüber, wie ihre Eltern für sie da sind. Und sie geben uns einen Einblick in ihre Familien, die „ganz normal“ und manchmal so ganz anders sind.
In dieser Jubiläumsausgabe werden jeweils die „alten“ Textporträts von Teilnehmer_innen des ersten Bandes Und was sagen die Kinder dazu? ihren aktuellen Statements vor­angestellt. Hinzu kommen Gespräche mit Töchtern und Söhnen der neuen Regenbogenfamiliengeneration sowie ein Talk zwischen den Töchtern der Autorinnen.

29.05. Vortrag von Gisela Notz: Kritik des Familismus
18 Uhr Clubraum Malzhaus Plauen

Die Ideologie des Familismus (oder auch Familialismus), die die gesellschaftliche Organisationsnorm aus dem Konzept einer „Idealfamilie“ ableitet, prägt seit Jahrhunderten Politik und Sozialstruktur in Deutschland und in anderen westlichen Ländern wesentlich mit. Familismus hat einen Ausgangspunkt, der schon immer nur für einen Bruchteil der Bevölkerung praktische Relevanz hatte: die Familie. Sie gibt es heute ebenso wenig, wie es sie je gegeben hat. Und schon gar nicht war sie zu allen Zeiten die bürgerliche Kleinfamilie, wie wir sie heute kennen. Familismus ist eine Spielart des Antifeminismus, denn nach der familistischen Ideologie herrschen in der heterosexuellen Kleinfamilie, die immer aus Vater, Mutter und Kind(ern) besteht, komplementäre Rollenaufteilungen entlag der Geschlechterlinien. Die Ideologie der „Familie als Keimzelle der Gesellschaft“ ist immer auf den Nationalstaat bezogen. Sie führt unweigerlich zur Diskriminierung von Individuen und Gruppen, die diesem Bild nicht entsprechen. Angesichts der „neuen“ rechtspopulistischen AkteurInnen hat sie Hochkonjunktur. Was ist dagegen zu tun? Darüber sollten wir diskutieren.

Dr. Gisela Notz, freie Autorin, Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, Berlin. Gisela Notz war von 2004 bis 2010 Bundesvorsitzende von pro familia. Zum Thema hat sie das Buch: Kritik des Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes geschrieben, das 2015 in der Reihe thorie org des Schmetterlings-Verlages in Stuttgart erschien. Seit 15 Jahren bringt sie den historischen Wandkalender „Wegbereiterinnen“ heraus.

Pressemitteilung des antifaschistischen Bündnisses „Die Provinz aufwühlen“ zum 1. Mai in Gera

+++ Sinkende Teilnehmer*innenzahlen beim Naziaufmarsch +++ Blockade erreicht Verzögerung der rechten Demonstration +++ Bis zu 600 Menschen nehmen an Antifademo teil. +++

Am 1. Mai 2017 mobilisierten Neonazis der militanten Kaderorganisation „Der III. Weg“ bundesweit nach Gera, um dort ihren jährlichen Aufmarsch zum 1. Mai abzuhalten. Zu Gegenprotesten riefen sowohl das bürgerliche Bündnis „Herz statt Hetze“ als auch der antifaschistische Vorbereitungskreis „Das Hinterland aufwühlen“ auf.

Zum ersten Mal seit Jahren konnten die Neonazis vom „III. Weg“ sinkende Teilnehmer*Innenzahlen verzeichnen. „Nicht einmal 500 Nazis beteiligten sich an der rechten Demonstration. Dies ist im Vergleich zum letzten Jahr fast eine Halbierung der Teilnehmenden und daher in unseren Augen eine klare Pleite für die Bestrebungen des „III. Wegs“, sich in Ostthüringen auszubreiten“, erklärt Willi Holzmann, Pressesprecher des Antifabündnisses. Trotzdem sei die Gefahr, die vom „III. Weg“ ausgeht, nicht zu unterschätzen, da es sich um ein kleines, aber militantes und elitäres Netzwerk handle, welches sich auch aus rechtsterroristischen Gruppen rekrutiere.

Bis zu 600 Menschen nahmen an der antifaschistischen Demonstration „Das Hinterland aufwühlen – den III. Weg stoppen“ teil. „Wir werten dies als Schritt in die richtige Richtung – hin zur dauerhaften Etablierung einer antifaschistischen Bewegung, die den Nazis auch abseits der Großstädte nicht den Raum überlässt“, so Willi Holzmann. Man bedenke, dass zeitgleich mehrere tausend Menschen in Halle gegen einen weiteren Neonaziaufmarsch auf die Straße gingen. Zudem beteiligten sich mehrere hundert weitere Menschen an den bürgerlichen Gegenprotesten im Stadtzentrum von Gera.

Durch Blockadeversuche konnte der Naziaufmarsch mehrmals verzögert werden. „Dabei setzte die Polizei Pfefferspray ein und baute durch eine anwesende Hundestaffel eine unverhältnismäßige Drohkulisse auf“, berichtet Pressesprecher Willi Holzmann. Jedoch hätte es keine Festnahmen gegeben. Außerdem waren die Nazis von Beginn an lautstarken Protesten in unmittelbarer Sichtweite ausgesetzt. „Jetzt kommt es darauf an, den Nazis das ganze Jahr über zu zeigen, dass wir ihrer Propaganda entschlossen entgegentreten“, so Holzmann. Antisemitische und rassistische Parolen seien keine Kapitalismuskritik – sondern von Grund auf repressive Bestrebungen mit dem Ziel, eine autoritäre Gesellschaft zu errichten.

“Warum es nicht nur wichtig, sondern notwendig ist, nach Gera zu fahren!”

Natürlich handelt es sich bei dem, was der III. Weg innerhalb der rechten Szene als Vormarsch verkauft, vor allem um eine leicht zu durchschauende Propagandastrategie: indem beispielsweise auf der Homepage mit großem Pathos neue „Stützpunktgründungen“ gefeiert werden oder Kleinstaktionen wie Flyerverteilungen als Beispiel für den Aktivismus der Partei herhalten müssen.

Dennoch warnen wir davor, die Nazis vom III. Weg zu unterschätzen – deshalb am 1. Mai auf nach Gera!
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Transnationale Solidarität und Klassenkampf statt nationaler Abschottung und Volksgemeinschaft!

An dieser Stelle ein lesenswerter Aufruf der Gruppe „The Future Is Unwritten“ aus Leipzig zum 1. Mai:

Der 1. Mai 2016 in Plauen: bis zu 1000 Nazis folgen dem Aufruf des III. Weges, um den “Tag der deutschen Arbeit”, wie der 1. Mai im neonazistischen Slang genannt wird, zu begehen. Kader und Anhänger_innen des III. Weges und auch der Antikapitalistischen Kollektive demonstrieren für Volksgemeinschaft und Führerstaat, dabei fällt neben für rechte Demos üblichen Sprüchen auch die Parole “Merkel ins KZ”. Die Polizei schreitet nicht gegen die Rufenden ein, stoppt den Aufmarsch der Nazis allerdings nach wenigen 100 Metern aus Sicherheitsbedenken wegen der 1200 Antifaschist_innen, die sich an diesem Tag den Nazis in den Weg stellen wollten. Das Ergebnis: eine rechte Spontandemonstration und Nazi-Krawalle wie bereits 2015 beim III.-Weg-Aufmarsch in Saalfeld. Die Nazis attackieren an diesem Tag Polizist_innen, Pressevertreter_innen und prügeln eine Antifaschistin mit einem Stativ bewusstlos. Der Krawall geht vor allem von den Antikapitalistischen Kollektiven, einer neonazistischen Vernetzung, die sich am Auftreten der Autonomen Nationalisten orientiert, aus.

Die Folge dieses Krawalls war kein entschlosseneres zivilgesellschaftliches Vorgehen gegen Nazis in Sachsen, jedoch eine Spaltung der Nazis selbst. “Spalter”, “Scheinkameraden”, “Asoziale”, “Halbstarke” seien die Aktivist_innen der Antikapitalistischen Kollektive, hieß es seitens des III. Weges. Offensichtlich kam der nationalsozialistischen Kaderpartei der Krawall strategisch ungelegen. Deshalb mobilisieren III. Weg und Antikapitalistische Kollektive für 2017 getrennt. Der III. Weg nach Gera und die Antikapitalistischen Kollektive in das nur knapp 80 km entfernte Halle. In beiden Städten gibt es Antifaschist_innen, deren Kämpfe es zu unterstützen gilt. Und in beiden Städten ist eine wirklich antikapitalistische Mobilisierung notwendig, die sich sowohl gegen den neoliberalen Block der europäischen Abschottung als auch gegen die völkischen Rassist_innen und Nazis des rechten Spektrums wendet!

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Buskarten verfügbar!

Wenn ihr noch Buskarten für eine gemeinsame Anreise nach Gera am 01.05. sucht, könnt ihr diese…

  • am Mittwoch dem 26.04. 18 bis 21 Uhr
  • am Freitag dem 28.04. 18 bis 21 Uhr

im Infoladen Plauen (Thiergartner Straße 4) erwerben. Bitte bringt 5 Euro für die Buskarten mit!

1. Mai Gera: Noch sechs Tage!

1. Vorabenddemo in Jena

Wir rufen dazu auf, am Vorabend die Demo der FAU (Freie Arbeiter*Innen Union) in Jena zu besuchen. Nicht erst seit kurzem versuchen Nazis, den 1. Mai zu instrumentalisieren, der als Arbeiter*Innenkampftag aus militanten Protesten gegen den Kapitalismus hervorgegangen ist. Mit ihren Rufen nach “mehr Arbeit” für Angehörige einer “deutschen Volksgemeinschaft” demaskieren die Nazis ihre eigene vermeintliche Kapitalismuskritik selbst als das, was sie ist – der Ruf nach dem Ende klassenkämpferischer Auseinandersetzungen für eine “Volksgemeinschaft”, in der sich Kapitalist*Innen und Lohnabhängige auf einen Kompromiss zum Wohl Großdeutschlands einigen.

Die FAU setzt dem eine klassenkämpferische Demo entgegen, die am 30.04.2017, 15 Uhr am Holzmarkt in Jena beginnt: “Eigentlich wollten wir den 1. Mai nutzen, um das auszudrücken und auf unsere konkreten Arbeitskämpfe in Jena hinweisen. Leider vereinnahmen auch die Nazis den 1. Mai als „nationalen Tag der Arbeit“ für sich. In Halle und Gera wird es größere Nazi-Demos geben. Auch wir werden dort hinfahren und die autonomen Antifa-Proteste unterstützen. Wir wollen uns aber diesen Tag und seinen ursprünglichen Inhalt nicht wegnehmen lassen und bloß den Nazis hinterherfahren. Deswegen organisieren wir für den Vortag, den 30. April, eine Arbeitskampf-Demo in Jena. So wollen wir nicht nur auf die zahlreichen kleinen Arbeitskämpfe und Organisierungsprozesse in unserer Stadt hinweisen, sondern auch klar machen, dass wir nicht die bestehende Ordnung, sondern unsere Kämpfe gegen diese Ordnung vor den Nazis verteidigen.”

[Aufruf der FAU Jena/Erfurt]

2. Nazi-Mobi

Am vergangenen Samstag trafen sich Nazis in mehreren Städten (Plauen, Bamberg, Gera u.a.) zu einem Probelauf für den 1. Mai. Bamberger Antifaschist*Innen berichten von 12 Nazis, die in der Bamberger Innenstadt eine Kundgebung abhielten. (Artikel bei linksunten) Bei der Kundgebung in Plauen standen eine Handvoll Nazis in der verregneten und menschenleeren Innenstadt den Gegendemonstrant*Innen einer Kundgebung des Kreisverbands von “DIE PARTEI” gegenüber. Im Anschluss fanden in Gera zwei Infostände der Nazis statt – u.a. unter Beteiligung von Matthias Fischer (ex-Freies Netz Süd, heute Angermünde) und den StützpunktleiterInnen des “III. Wegs” aus Ostthüringen, Anika und Nico Metze. Schließlich kam es zu einer Nazisponti von etwa 40 Personen, unter Beteiligung von Berliner Nazis. Dabei wurden umstehende Passant*Innen angegriffen, was wir als Ausblick auf das willkürliche Gewaltpotential der Nazis am 1. Mai werten.

Artikel bei Gera Aufwühlen!

3. EA und Infonummer

Für alle Anreisenden: EA, Infonummer und Aktionskarten stehen und werden am Wochenende veröffentlicht.

4. Mobivorträge

Die Mobitour liegt hinter uns – Veranstaltungen haben in Plauen, Jena, Erfurt, Weimar, Altenburg und Gera stattgefunden. Wir bedanken uns für das Interesse! Wenn noch Interesse an Mobiveranstaltungen besteht – meldet euch bei den Geraer Antifaschist*Innen.

AKTUELLE INFOS – REGELMÄßIG GEUPDATETFINDEN SICH UNTER geraaufwuehlen.blogsport.de

Am 1. Mai nach Gera! Das Hinterland aufwühlen – III. Weg stoppen!

Nachdem die letzten drei Jahre die Städte Plauen und Saalfeld mit dem jährlichen Aufmarsch der Neonazipartei „III. Weg“ konfrontiert waren, trifft es diesmal Gera. Gerade in der Provinz, wo sich Nazis vermeintlich „sicher“ fühlen, ist Solidarität gefragt – deshalb: alle nach Gera!

Am 1. Mai will in Gera der rassistisch-nationalistische Mob der als Partei getarnten Organisation Der III. Weg um das ehemalige Freie Netz Süd aufmarschieren. Die Partei Der III. Weg folgt rhetorisch, inhaltlich und in ihren Aktionen der Agitation „Freier Kameradschaften“ und gibt sich antikapitalistisch. Die Losung „Kapitalismus zerschlagen – für Familie, Heimat, Tradition“ im Aufruf macht dabei deren völkischen, antifeministischen und reaktionären Charakter mehr als deutlich.

Ersichtlich wird dies auch in ihren Publikationen, in denen kein Hehl aus den miteinander verwobenen rechten Ideologieelementen gemacht wird. Von einem Geschichtsrevisionismus, der deutsche Täter*innen zu Opfern verklärt, über verdeckten und offenen Antisemitismus mit dem Aufruf zum Boykott israelischer Waren, bis hin zu massiver Fremdenfeindlichkeit, die sich in Propaganda gegen aus ihren Geburtsregionen geflüchteten Menschen ausdrückt.
Doch welche Inhalte verfolgen die Nazis in ihrem Programm konkret? Als Hauptziel des III. Wegs wird die Errichtung eines „deutschen Sozialismus“ genannt. Angeblich würde sich dieser gegen das vermeintliche „Gleichmachen“, etwa eines Sozialismus kommunistischer Prägung, wenden. Tatsächlich richtet sich diese Idee jedoch vor allem gegen die freiheitliche Gesellschaft und eine Pluralität der Lebensentwürfe. Der III. Weg will angeblich „die Persönlichkeit fördern und fordern“, allerdings, um „bei jedem Einzelnen die größtmögliche Schaffenskraft für das gesamte Volk zu erreichen“. Der hier immanente Volksgedanke gepaart mit der Forderung nach einem starken Staat lässt Analogien zu den Wahnvorstellungen einer „Herrenrasse“ im dritten Reich erkennen: Eine Aufwertung des „deutschen Volkes“ kann nur durch Ausgrenzung und Abwertung anderer funktionieren. Dass wir es beim III. Weg mit einer biologistisch argumentierenden Variante des Nationalsozialismus zu tun haben, zeigt auch der Wunsch nach der „Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes“ – neben der größenwahnsinnigen Forderung der „Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“.
Wenn also die Partei Der III. Weg am 1. Mai aufmarschiert, dann treten sie nicht mit der Forderung nach tatsächlichem Sozialismus oder Antikapitalismus auf, sondern im Sinne eines menschenverachtenden Nationalsozialismus mit direkten inhaltlichen Bezügen zu den damaligen Positionen der Nationalsozialisten.
Wenngleich die Betonung der Nazis auf Werten wie „Tradition“ liegt, haben sie keinerlei Beziehung zur historischen Entstehung der 1.-Mai-Proteste, waren diese doch ausgerichtet von heterogenen Gruppen der Anarchist*innen, Sozialist*innen, Kommunist*innen, Gewerkschafter*innen und anderer Arbeiter*innen jeglicher Herkunft, die in die Planungen und Umsetzung der Streiks von 1886 und Aktionen in diesem Kontext involviert waren. Uns ist hinlänglich bewusst, dass die Geschichte um die Entstehung und Fortführung des 1. Mais nicht unkritisch betrachtet werden sollte. Ebenso halten wir den oft verwendeten Terminus einer „Arbeiter*innenklasse“ für durchaus diskussionsbedürftig. Dennoch steht dieser Tag in einer Geschichte des weltweiten Kampfes gegen die Ausbeutung der Menschen durch den Kapitalismus und die Einschränkung der Freiheit durch verschiedenste reaktionäre Akteur*innen, ganz gleich, ob Nazis in der „Tradition“ von 1933 versuchen, diesen Kampf als „nationalen“ zu
instrumentalisieren.
Nach Saalfeld und Plauen haben sich die Neonazis des III. Wegs dieses Jahr Gera ausgesucht. Vor allem kleinere (Groß-)Städte und Dörfer sind sehr beliebt für Aufmärsche und als Propagandaorte für die Neonazis. In solchen Orten erfahren sie meist mehr Rückhalt und treffen auf weniger Gegenwehr. In dieser Atmosphäre kann an sozial schwache Strukturen, prekäre Arbeitsverhältnisse, allgemeine Unsicherheiten sowie Frustrationen leicht angeknüpft werden. Durch die Abstiegs- und Verlustängste vieler Menschen müssen (vermeintlich) Schwächere als Sündenböcke herhalten. Gleichzeitig werden angebliche Strippenzieher als Feinde des Volkes stigmatisiert. Der Wunsch nach einfachen Lösungen komplexer Themen und die Sehnsucht nach dem „starken Staat“ machen es den Neonazis leicht, mit ihren Ideologiefragmenten auf Zustimmung zu stoßen. Dabei kommen ihnen sogar noch die Auswirkungen eines kapitalistischen Systems zugute, indem sie mit verkürzten und symbolischen Darstellungen Stimmung machen können.
Wir wollen die Provinz aufwühlen. Wir sehen es nicht ein, dass die Neonazis heute oder an einem anderen Tag unbehelligt beziehungsweise sogar unter Zustimmung von Teilen der Bevölkerung ihrer Hetze Raum geben und ihr Agitationsfeld weiter ausdehnen können. Überall dort, wo der III. Weg in der Vergangenheit erfolgreich aufmarschieren konnte, haben sich Strukturen gebildet und verfestigt, wurden Ortsverbände oder Bürger*innenbüros gegründet. Rassismus und Nationalismus sind in viel zu vielen Alltagsbereichen eine Normalität, die sich immer offensiver äußert und welcher das Fundament entzogen werden muss. Wir wollen und müssen unterdrückenden Ideologien, die sich gegenseitig beeinflussen und stärken, entgegenwirken. Wir können nicht nur einzelne Fragmente überwinden. Es bedarf einer antikapitalistischen Gegenbewegung, die auf Pluralität setzt und gleichzeitig alle Herrschaftsformen in den Blickwinkel der Kritik rückt. Vom Antisemitismus, über den Kulturalismus, die LGBTIQ*- Feindlichkeit, den Sexismus, bis hin zum ethnozentrischen Rassismus sind diese zugleich alle Elemente rechter Ideologie.
Die falsche „Gesellschaftskritik“ des III. Wegs darf nicht unwidersprochen bleiben. Eine Kritik an den herrschenden Verhältnissen muss eine Reflexion über ausschließende Menschenbilder ebenso beinhalten wie eine stetige Selbstkritik und Selbstreflexion unseres Handelns und Denkens, um sich solcher Ideen, wie sie die III.-Weg-Nazis propagieren, zu erwehren. Dabei darf vor zivilgesellschaftlichen Strukturen, Vereinen, Parteien und Verbänden nicht Halt gemacht werden. Wenn also am 1. Mai der DGB, zu dem auch die Polizeigewerkschaft gehört, in vielen deutschen Städten erneut mit Parteien wie der CDU auf die Straße geht, muss allen klar sein, dass damit kein Missstand in seinen Ursachen angegangen wird – im Gegenteil. Die demokratischen gesellschaftlichen Bereiche müssen überdenken, mit wem sie Schulterschlüsse vollziehen. Sie begeben sich wiederholt in die komfortable Zone ritualisierten Protestes und bilden bedenkliche Allianzen mit den Institutionen, die gesellschaftlich verankerte Macht- und Diskriminierungsmechanismen (re-)produzieren.
Eine Demo ist keine Lösung dieser Probleme. Wir müssen Freiräume schaffen und unseren Umgang miteinander überdenken. Wir müssen Unterdrückung im sozialen Umfeld, der Schule, auf Arbeit, kurz gesagt in allen Bereichen des Lebens, entschieden zurückweisen. Gleichzeitig geht es darum, das Bewusstsein über ökonomische Abläufe zu verbreiten und zu erweitern und der Verwertungslogik entgegenzuwirken, sowie neue Formen des Miteinanders abseits von Kapitalakkumulation zu erforschen. Wenn wir ein gutes Leben wollen, dann müssen wir lernen, aufeinander zu achten und miteinander zu handeln, Herrschaft zu thematisieren und Wege ihrer Überwindung finden. Dazu gehört allerdings auch an Tagen wie dem 1. Mai den reaktionärsten Kräften entschieden entgegenzuwirken.
Wir wissen, dass die politischen Strukturen in den Provinzen, den Kleinstädten und ländlichen Regionen andere sind als in den Großstädten. Doch auch hier widersetzen sich Menschen aktiv menschenfeindlichen Einstellungen. Zeigt Solidarität mit denen, die dafür Tag für Tag ein teilweise existenzielles Risiko eingehen. Supportet die, die den manchmal aussichtslos scheinenden Widerstand gegen deutsche Zustände und Nazis wie die des III. Wegs auch abseits der Szenekieze leisten.Daher rufen wir zu unserer Demo am 1. Mai um 10 Uhr am Hauptbahnhof Gera auf. Lasst uns Inhalte zur Diskussion stellen, entschlossen und direkt sein. Lasst uns den Nazis den Raum nehmen, den sie für sich und ihre menschenverachtenden Einstellungen und Handlungen beanspruchen wollen.

Die Provinz aufwühlen, Antirassismus umsetzen und Solidarität leben.
Antifa bleibt auch Landarbeit.

+++ alle aktuellen Infos auch unter geraaufwuehlen.blogsport.de +++