Plauen: Gut besuchte Veranstaltungsreihe gegen Nazizentrum

Seit fast einem Jahr unterhält die neonazistische Kaderorganisation „Der III. Weg“ ein Ladenlokal in der westsächsischen Stadt Plauen. Nun hat ein breites Spektrum von Akteur*Innen mit einer Veranstaltungsreihe auf neonazistische Zustände in der Provinz aufmerksam gemacht.

Das Motto „Gegensteuern“ vereint in Plauen Akteur*Innen aus dem zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Spektrum. Eine bewusst strömungsübergreifend aufgestellte Gruppe hat zuletzt mehrere Wochen lang auf die Problematik hingewiesen, dass die westsächsische Stadt ein Schwerpunkt rechter Aktivitäten ist. Hier hat zu Beginn des Jahres 2017 die neonazistische Partei „der III. Weg“ ein Ladengeschäft als Büro angemietet. Ausgerechnet im Stadtteil Haselbrunn, der sowieso schon Gefahr läuft, sich zu einer rechten Homezone zu entwickeln, worauf im Dezember 2016 eine Antifademo aufmerksam zu machen versuchte. Bislang wird das Nazizentrum vor allem für die üblichen Naziveranstaltungen wie Kameradschaftsabende, Vorträge einschlägiger Redner*Innen und als logistischer Ausgangspunkt von Demonstrationen und anderen Aktionen genutzt. Das Büro als „soziales Zentrum“ im prekären Viertel Haselbrunn zu verankern, ist bislang kaum gelungen – nennenswerten Widerstand gibt es jedoch auch kaum. Im Moment versuchen die Kader des „III. Wegs“, mit kostenlosen Kleider- und Möbelspenden sowie plumper Propaganda gegen Geflüchtete Fuß zu fassen.

Insgesamt sechs Vorträge bzw. Lesungen der Veranstaltungsreihe „Gegensteuern“ fanden an verschiedenen Orten in Plauen statt. Diese wurden gut angenommen: zwischen 25 und 40 Besucher*Innen aller Altersklassen frequentierten jede einzelne Veranstaltung, dabei war bei weitem nicht nur Szeneklientel vertreten. Als Symbol des Protests wurde in Zusammenarbeit mit „Kunst und Kampf“ aus Berlin ein Plakat des antifaschistischen Künstlers John Heartfield aktualisiert: Die „Stimme aus dem braunen Sumpf“, eine blauäugige Kröte vor einem „III. Weg“-Logo, verkündet stolz „1000 Jahre konsequenter Inzucht beweisen die Überlegenheit meiner Rasse!“.

Den Auftakt für die Reihe bildete das Plauener Infoladenkollektiv am 8. November im Projekt Schuldenberg. Ein Vortrag klärte sowohl über bundesweite als auch lokale Strukturen des „III. Wegs“ auf und bemühte sich, eine Analyse der Inhalte und Strategien der neonazistischen Kaderpartei zu präsentieren. Daran schloss am 17.11. der Vortrag des bayrischen Journalisten Robert Andreasch an, welcher sich mit dem „III. Weg“ in Bayern beschäftigte. Hier wurden einige Kontinuitäten zwischen rechtsterroristischen Strukturen, verbotenen Kameradschaften (Fränkische Aktionsfront, Freies Netz Süd) und dem „III. Weg“ klar. Dabei bestätigte sich ein weiteres Mal, dass es sich bei der vermeintlichen Kleinstpartei um die weitestgehend unveränderte personelle und inhaltliche Fortführung faschistischer (Untergrund-)Netzwerke handelt, die inzwischen nicht mehr nur auf den bayrischen Raum beschränkt bleiben.

Thematisch beschränkten sich die Veranstalter*Innen allerdings nicht nur auf den „III. Weg“. Der freie Journalist Sören Kohlhuber verglich rechte Aufmärsche in Ungarn, Schweden und der Schweiz mit der Situation in Deutschland, auch im Hinblick auf antifaschistische Gegenproteste und staatliche Repression. Im „Art Collektiv“ fand eine Filmvorführung einschließlich Diskussionsrunde zu aktuellem Antisemitismus in Deutschland statt. Bernd Langer referierte im „Quartier30“ zu 500 Jahren Revolte – Reformation und Bauernkrieg, wobei er den derzeitigen Hype um das „Lutherjahr“ einer kritischen Positionierung unterzog und die Ereignisse um Reformation und Bauernkrieg in einen Kontext historischer Umbrüche einbezog. Die Veranstaltungsreihe endete am 21.11. mit einer Lesung der Autorin Heike Kleffner aus dem Buch „Unter Sachsen – zwischen Wut und Willkommen“, welches Essays und Analysen zu den allseits bekannten sächsischen Zuständen versammelt.

Als vorläufigen Höhepunkt der Reihe wählten die Veranstalter*Innen eine „szenische Lesung zur Kröte“, die am 18. November direkt neben dem Parteibüro des „III. Wegs“ in Haselbrunn stattfand. Etwa 25 Menschen folgten der Einladung. Bereits im Vorfeld hatte die zuständige Versammlungsbehörde versucht, die Veranstaltung zu kriminalisieren und unterstellte sowohl Anmelder*Innen als auch den zu erwartenden Teilnehmer*Innen ein unkontrollierbares Gewaltpotential. Letztendlich sicherte so eine martialisch gekleidete Hundertschaft der Bereitschaftspolizei erst den Abzug der Nazis in Richtung Wunsiedel, wo am gleichen Tag etwa 200 Nazis zum „Heldengedenken“ marschierten, und dann die Kundgebung in einer kleinen Seitenstraße. Symbolisch für die Notwendigkeit, Nazistrukturen zu bekämpfen, wurde dabei eine Plastikkröte mit III.Weg-Logo in die Mangel genommen, bis sie den Geist aufgab.

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