Plauen: III. Weg inszeniert “Spontandemo” – Naziprovokationen bei Stadtfest – Nazi verletzt

Am vergangenen Sonntag versammelten sich in Plauen am “III.Weg”-Parteibüro gegen 14 Uhr knapp 70 Nazis. Diese zogen eine Stunde von Haselbrunn über die Friedensbrücke und die Siegener Straße in Richtung Polizeirevier und wieder zurück. Anlass für die “spontane” Zusammenkunft war ein Messerangriff auf den “III.Weg”-Nachwuchskader Aaron Helbig, der aus dem Raum Klingenthal stammt und sich häufig in Plauener Nazikreisen aufhält. Neben Kadern aus Plauen und dem Vogtlandkreis waren Nazis aus Franken (z.B. Forchheim, Landkreis Main-Spessart), Greiz, Freiberg und Dresden beteiligt. Über Megafon und Lautsprecherwagen (wie immer der Privat-PKW von Rico Döhler) wurden “Rache!”-Rufe geäußert.

Gegen sechs Uhr, so berichtet eine Polizeimeldung, eskalierte eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen, bei denen Helbig eine Stichverletzung abbekam. Augenzeug*Innen berichten, dass die Gruppe um Helbig gezielt auf der Suche nach Stress war. Diese Gruppe bestand aus fünf Nazis, darunter mit Thomas Heyer ein weiterer “III.Weg”-Kader. Erfahrungen mit den beiden Figuren zeugen von gewalttätigen Übergriffen und verbalen Provokationen als deren alltägliches Repertoire. Von der selben Konstellation ging zwei Stunden zuvor ein Angriff auf einen Genossen aus, der bereits wiederholt zur Zielscheibe von Drohungen und Eingriffen in die Privatsphäre seitens organisierter Nazikreise wurde.

Gegen vier Uhr betritt Thomas Heyer ein Lokal in der Innenstadt, wo sich jener Genosse aufhält. Heyer blickt sich dabei suchend um, ohne sich zu setzen oder ein Getränk zu bestellen. Schließlich erblickt er den Betroffenen und bewegt sich gezielt auf ihn zu. Heyer bedroht ihn und dessen Familie damit, erneut gezielte Racheaktionen auf sich nehmen zu müssen, falls es Aktionen gegen Nazis in Plauen gäbe. Als der Genosse daraufhin das Lokal verlässt, warten draußen fünf weitere Nazis auf ihn – darunter Aaron Helbig. Er ist umstellt und muss sich zurück in die Lokalität flüchten. Die Nazis warten noch mindestens 45 Minuten vor der Tür auf ihn.

Bereits Freitag wurden Gerüchte laut, Nazis würden für Sonntag “etwas planen”. Der Ablauf der Nacht von Samstag auf Sonntag lässt viele Schlüsse darauf zu, dass Kader des “III. Wegs” Gründe für eine anschließende Spontandemo provozieren wollten. Dies passt zu den Erfahrungen vergangener Stadtfeste, als die lokalen “III. Weg”-Nazis regelmäßig in Gruppenstärke, einheitlich gekleidet und deutlich provozierend auftraten. Somit ist der “Märtyrer” Helbig wohl doch eher ein Kollateralschaden.

Inzwischen nimmt die propagandistische Ausgestaltung des Vorfalls mitunter groteske Züge an. Die Plauener Kader sind scheinbar auf der Suche nach einem Weg, um möglichst viele unerwünschte Personengruppen verantwortlich zu machen und auf diese Weise einen Beleg für ihre kruden Thesen einer schwerstkriminellen Stadt zu finden, in der man demnach als “Deutsche/r” kaum noch die Straße betreten kann, ohne sofort von wahlweise migrantischen Banden oder linken Terrorist*Innen ausgeraubt und anschließend erschossen zu werden. Noch am Sonntag verbreiten die Nazis die Nachricht, dass der Tatverdächtige drogenabhängig sei – passend zur derzeitigen Hetzkampagne von bürgerlichen bis rechten Kreisen hinsichtlich der Situation in der Plauener Innenstadt. Am Montag halluzinierte Nazikader Matthias Fischer (seines Zeichens “Gebietsleiter Mitte” des III. Wegs) die Messerstecherei als Folge des staatlich geförderten “Kampfes gegen Rechts” herbei – versuchte also, der Konfrontation einen linken Hintergrund in die Schuhe zu schieben. Dienstags fiel den Strategen des “III. Wegs” plötzlich die Antwort auf alle Fragen vor die Füße: Der Tatverdächtige habe einen migrantischen Vater und sei daher ein Beispiel für die ausufernde Kriminalität in Folge offener Grenzen. Ob die Plauener Nazikader nun noch Rückschlüsse auf die sexuelle Identität und eine Gewerkschaftszugehörigkeit des Tatverdächtigen veröffentlichen werden, kann nur spekuliert werden. Auf jeden Fall mutet der ganze Disput schon jetzt als eine unverhohlene Sündenbocksuche – und damit einen willkommenen Vorwand für die Propagandastrategie der lokalen Nazis um Gentsch und Konsorten an.

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