Der III. Weg: „Kleinstpartei“? Kaderorganisation!

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Anlässlich der Antifademo „Den III. Weg zerschlagen“ am kommenden Samstag in Plauen-Haselbrunn (mehr Infos/Aufruf der AGV –> hier <–) werden wir an dieser Stelle noch einige Hintergrundinfos zur Partei „der III. Weg“ veröffentlichen.

Mittlerweile ist der „III. Weg“ als Phänomen in der Auseinandersetzung auch der bundesdeutschen Medien angekommen. Vielen dämmert es, dass es sich dabei um einen großangelegten Reorganisationsversuch der organisierten, militanten und gefestigen neonazistischen Szene handeln könnte. Vielleicht den gefährlichsten (und aus rechter Sicht erfolgversprechendsten) Reorganisationsversuch seit dem Verbot der FAP im Jahr 1995.

Zwischen einer traditionalistischen NS-Ästhetik, einer völkisch-nationalistischen und offen antisemitischen vermeintlichen „Kritik“ am Kapitalismus und deutlichen Anzeichen einer faschistischen Bewegung versucht der „III. Weg“, die verstreuten Strömungen der organisierten Naziszene einzusammeln und sie auf Linie zu bringen. Dies geschieht nicht ganz ohne Erfolg: die Zahl der sogenannten „Stützpunkte“ hat sich seit Ende 2014 von 11 auf 21 (Ende 2016) nahezu verdoppelt.

Die Strukturen des „III. Wegs“ sind streng hierarchisch aufgebaut. Angesichts der Gefahr, die von der Bündelung neonazistischer Kräfte bis weit ins rechtsterroristische Spektrum ausgeht, halten wir es für mindestens fahrlässig, den „III. Weg“ weiterhin als „Kleinstpartei“ zu verniedlichen. Vielmehr ist es nötig, die Partei als Kaderorganisation zu benennen: zwar mit „nur“ etwa 200 Mitgliedern bundesweit, jedoch damit auch mit einer dreistelligen Anzahl geschulter Kader, die sich den Habitus von nationalistischen „Soldaten der Bewegung“ geben. Und so kann nur Parteimitglied werden, wer sich einem längeren Schulungsprozess unterzieht und sich somit weltanschaulich und organisatorisch der Parteilinie unterzuordnen weiß. Au diese Weise entsteht ein Verbund von ideologisch gefestigten Neonazis, die sich im Organisationsgrad erheblich von bisher existierenden losen „Kameradschaftsstrukturen“ und behäbigen Parteibürokratien wie der NPD unterscheiden. Erhebliche Teile des bundesweiten Personals des „III. Wegs“ haben langjährige Erfahrungen in Strukturen von Parteien wie NPD und FAP sowie militant-gewaltbereiten Kameradschaften wie der „Fränkischen Aktionsfront“, dem „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ oder dem „Freien Netz Süd“.

Wer sind die Personen in der Partei? Und in welchen Organisationen waren sie aktiv?

Klaus Armstroff aus Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz ist Bundesvorsitzender der Partei „der III. Weg“. Zuvor fungierte er dort als NPD-Kreisvorstand. Als sich die NPD Rheinland-Pfalz am Konflikt zwischen „subkulturellen“ und „traditionellen“ (also völkischen) Nazis spaltete, gründete Armstroff mit anderen Kadern aus der Region den „III. Weg“ (Vgl. Artikel des Antifa-Infoblatts).

Der Bundesvorstand besteht aus Christian Steup, Matthias Hermann, René Teufer und Sandor Makai. Alle vier waren schon zuvor in Organisationen der rechten Szene aktiv.

Christian Steup war früher Mitglied der „Kameradschaft Westerwald“, gegen die es 2005 Ermittlungen wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ gab. (Vgl. Artikel des Antifa-Infoblatts) Matthias Herrmann war ein Führungskader im „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ und Anti-Antifa-Fotograf. Das Aktionsbüro Rhein-Neckar war eine militante Nazikameradschaft im Raum Ludwigshafen (Vgl. Artikel in der LOTTA). Herrmann stammt aus Jena und zog Ende der 90er Jahre nach Süddeutschland. Querverbindungen zum Thüringer Heimatschutz (und damit über ein paar Ecken zum NSU) sind denkbar (Vgl. Artikel bei linksunten). Auch René Teufer war seit 2003 Mitglied im Aktionsbüro Rhein-Neckar. Bereits Anfang der 90er Jahre war er Teil der FAP, die 1995 verboten wurde und eine ähnliche Struktur wie der „III. Weg“ besaß (Vgl. Artikel bei linksunten). Der vierte im Bunde ist Sandor Makai, der sich derzeit am Aufbau von III. Weg-Strukturen in Berlin beteiligt. Früher war Makai einer der führenden Kameradschaftsaktivisten in Berlin-Pankow und NPD-Landesvorstand Berlin (Vgl. Artikel bei linksunten – „Der III. Weg in Berlin“).

Auch in Plauen und Umland sind mehrere wichtige Kader, die teilweise überregionale Funktionen erfüllen, aktiv.

Eine zentrale Figur vor Ort stellt Tony Gentsch dar. Dieser ist auf einer regionalen Ebene „stellvertretender Gebietsverbandsleiter Mitteldeutschland“ – und kann damit als eine der bundesweit wichtigsten Figuren des „III. Wegs“ bezeichnet werden. In seiner Vergangenheit war Gentsch unter anderem bei den „Hammerskins“,der „Fränkischen Aktionsfront“ sowie dem „Freien Netz Süd“ aktiv. In diesem Zusammenhang war er eine der aktivsten Personen, welche die neonazistische Immobilie Oberprex-47 (bei Regnitzlosau im Landkreis Hof) betrieben haben. Ebenso musste Gentsch sich wegen Körperverletzung und Beleidigung vor Gericht verantworten und deshalb eine 26-monatige Haftstrafe antreten. (Vgl. Artikel im Antifa-Infoblatt)

Neben Tony Gentsch gehört auch Rico Döhler aus Auerbach zu den langjährig aktiven Nazikadern, die sich nun im „III.Weg“ sammeln. Unter anderem war Döhler in der Vergangenheit NPD-Kreisvorsitzender im Vogtland und eine der wichtigsten Figuren hinter der Kameradschaft RNJ-Vogtland. (Vgl. Rechercheartikel zur RNJ Vogtland) Döhler ist „Stützpunktleiter Vogtland“ und somit der für die Region verantwortliche Führungskader. Auf überregionalen Demonstrationen stellt er regelmäßig seinen Privat-PKW als Lautsprecherwagen zur Verfügung.

Weitere vor Ort aktive Kader sind René Hagedorn, Patrick Fehre, Thomas Heyer und Kevin Panke. Hagedorn gilt als sehr gewaltaffin und saß von 2014 bis 2015 eine 15-monatige Haftstrafe ab. Zuvor war er Administrator der Internetseite „Widerstand Oelsnitz“ (Vgl. Artikel bei linksunten). Patrick Fehre stammt aus Berlin und war dort in der NPD Berlin-Pankow aktiv (Vgl. Artikel bei linksunten – „Der III. Weg in Berlin“). Thomas Heyer ist schon seit Jahren in Plauen in rechten Kreisen unterwegs und betätigt sich neuerdings als Anti-Antifa-Fotograf (Vgl. Artikel bei linksunten). Schon seit einigen Jahren gilt Kevin Panke als Bindeglied zwischen Kameradschaftsszene, gewaltaffinen Fußballhools und Parteistrukturen– zuvor war er Teil der Kameradschaft „Rechte Aktionsfront Sektion Vogtland“ und anschließend der „RNJ Vogtland“ (Vgl. Artikel bei linksunten).

Generell gilt (vemutlich bundesweit) für die Strukturen des „III. Wegs“: Kader mit jahrelanger Erfahrung auch in rechtsterroristischen Strukturen führen ihre Tätigkeiten nun auf Parteiebene weiter. So waren Martin Wiese, Karl-Heinz Statzberger und Thomas Schatt am 9. November 2003 an einem versuchten Sprengstoffattentat auf die Grundsteinlegung einer Synagoge in München beteiligt. Alle drei sind schon lange in der süddeutschen Kameradschaftsszene bekannt. Statzberger ist derzeit Stützpunktleiter in München (Vgl. Artikel bei linksunten). Für die Kontinuität zwischen „Fränkischer Aktionsfront“, dem „Freien Netz Süd“ und dem „III. Weg“ steht Matthias Fischer. Dieser ist mittlerweile von Fürth nach Angermünde gezogen und fungiert als „Gebietsverbandsleiter“ in Mitteldeutschland. 1998 tauchte Fischer auf einer Telefonkontaktlistedes NSU auf. Ebenfalls zum mutmaßlichen Kreis der NSU-Unterstützer zählt Maik Eminger, Zwillingsbruder von André Eminger, der derzeit als Angeklagter im NSU-Prozess vor Gericht steht. Eminger wohnt mittlerweile in Grabow (Brandenburg) und ist seit Jahren in extrem völkisch-traditionalistischen Nazigruppierungen wie „Neue Ordnung“ und „Schutzbund Deutschland“ aktiv. (Vgl. Artikel des Antifa-Infoblatts)

Den Nazis die Homezone streitig machen!
Am 17.12.2016 in Plauen – Treffpunkt 14:30 am Oberen Bahnhof.

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